Eine experimentelle literarische Parabel, die Antoine de Saint-Exupérys „Der kleine Prinz“ mit Bertolt Brechts epischem Theater und marxistischer Gesellschaftskritik verbindet. Das Stück dekonstruiert kapitalistische Strukturen durch die Reise des kleinen Prinzen über verschiedene Planeten der Entfremdung. Mit Verfremdungseffekten, direkter Publikumsansprache und politischer Didaktik wird das bekannte Märchen zu einer Analyse von Macht, Konsum, Arbeit und Revolution.
Der kleine Prinz – Eine marxistische Parabel nach Bertolt Brecht
von Barry Thalé
Über das Projekt:
Dieses Theaterstück entstand als literarisches Experiment, das drei literarische Traditionen miteinander verbindet: Antoine de Saint-Exupérys philosophisches Märchen „Der kleine Prinz“, Bertolt Brechts episches Theater mit seinen Verfremdungseffekten und direkten Publikumsansprachen, sowie die marxistische Gesellschaftskritik mit ihrer Analyse von Produktionsverhältnissen und Entfremdung.
Die Struktur folgt dem Original: Der kleine Prinz reist von Planet zu Planet, doch statt skurriler Erwachsener trifft er auf Verkörperungen kapitalistischer Mechanismen – den König als Symbol leerer Macht, den Eitlen als Konsumenten der Warenästhetik, den Geschäftsmann als Akkumulateur von Kapital. Jede Episode wird durch Brechtsches Theater verfremdet: Bühnenanweisungen, Projektionen, Lieder und direkte Ansprachen durchbrechen die vierte Wand und fordern das Publikum zum Mitdenken auf.
Das Stück endet nicht mit Antworten, sondern mit Fragen – ganz im Sinne Brechts, der das Theater als Ort der Reflexion und des gesellschaftlichen Wandels verstand.
Projekt-Details
| Detail | Information |
|---|---|
| Kategorie | CREATIVE WRITING – Theaterstücke & Dramatik |
| Tonalität | Politisch, experimentell, brechtsch, satirisch |
| Umfang | Vollständiges Theaterstück (5000+ Wörter) |
| Genre | Politische Parabel, Experimentelles Theater |
| Inspiration | Saint-Exupéry meets Brecht & Marx |
| Zielgruppe | Theaterhäuser, politische Bildung, Kulturinstitutionen |
| Besonderheit | Klassiker-Adaption mit zeitgenössischer politischer Kritik |
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Theaterstück-Leseprobe
Prolog: Die kapitalistische Wüste

(Die Szene ist spärlich beleuchtet. Ein Mann in schlichter Arbeitskleidung, der Pilot, tritt vor den Vorhang. Er trägt eine Aktentasche und ein paar lose Blätter. Er blickt direkt ins Publikum, ohne Pathos, fast nüchtern.)
Pilot: Meine Damen und Herren, Genossen und Genossinnen, werte Zuschauer. Sie erwarten eine Geschichte. Ein Märchen vielleicht. Vom kleinen Prinzen, der von Stern zu Stern reist und uns die Welt erklärt. Nun, ich sage Ihnen: Die Welt erklärt sich nicht von selbst, und Märchen sind oft nur Schleier, die uns die Augen verkleben. Ich bin Pilot. Oder war es so. Mein Flugzeug, ein Produkt menschlicher Ingenieurskunst, ein Symbol des Fortschritts, versagte. Mitten in der Wüste. Der Sahara. Ein Ort, wo die Natur ihre Gleichgültigkeit zur Schau stellt. Kein Luxus, keine Ablenkung. Nur Sand und Stille. Und die Erkenntnis: Hier sind wir nackt. Ohne die Krücken unserer Zivilisation. Ohne die Illusionen, die uns der Alltag vorspiegelt.
(Er legt die Aktentasche auf den Boden, holt ein paar Skizzen hervor. Eine davon zeigt ein Flugzeug, das in den Sand ragt.)
Pilot: Dort lag sie. Meine Maschine. Ein Wrack. Und ich, der Ingenieur, der Beherrscher der Lüfte, saß da. Durstig. Hungrig. Und vor allem: nachdenklich. Denn in solchen Momenten, wenn der Magen knurrt und die Sonne brennt, da fallen die Masken. Da sieht man klarer. Und was ich sah, war nicht nur die Wüste. Ich sah die Wüste in uns. Die Leere, die wir mit Konsum füllen. Die Trockenheit, die wir mit leeren Worten bewässern.
(Er blickt wieder ins Publikum, seine Stimme wird eindringlicher.)
Pilot: Man hat uns gelehrt, zu glauben. An den Fortschritt. An den Markt. An die unsichtbare Hand, die alles zum Guten wendet. Aber ich sage Ihnen: Die Hand ist nicht unsichtbar. Sie ist die Hand des Ausbeuters. Die Hand des Besitzers. Die Hand, die uns die Früchte unserer Arbeit entreißt und uns dafür Krümel hinwirft. Und wir? Wir klatschen Beifall. Wir kaufen uns ein. Wir identifizieren uns mit den Helden der Leinwand, während unser eigenes Leben im Stillstand verharrt.
(Er macht eine Pause, nimmt einen Schluck aus einer imaginären Flasche.)
Pilot: In dieser Wüste nun, in dieser existenziellen Leere, begegnete ich ihm. Dem kleinen Prinzen. Ein Kind. Ein Fremder. Er kam nicht, um mich zu unterhalten. Er kam, um Fragen zu stellen. Fragen, die uns unbequem sind. Fragen, die uns zwingen, unsere eigenen Fundamente zu hinterfragen. Und ich, der Pilot, der Techniker, der Mann der Fakten, musste zuhören und lernen. Denn manchmal, meine Damen und Herren, Genossen und Genossinnen, ist die größte Wahrheit in der einfachsten Frage verborgen. Und die größte Revolution beginnt im Kopf. Seien Sie also wachsam. Seien Sie kritisch. Und lassen Sie sich nicht blenden von den Kulissen, die man Ihnen vorsetzt. Die Vorstellung beginnt. Aber denken Sie mit, denken Sie selbst.
(Der Pilot tritt ab. Die Beleuchtung ändert sich, wird etwas heller, aber immer noch karg. Ein kleiner Junge, der kleine Prinz, tritt auf. Er trägt einfache Kleidung, die seine Herkunft von einem anderen Planeten andeutet, aber nicht übertrieben fantastisch ist. Er hält eine kleine Zeichnung in der Hand.)
Kapitel 1: Der kleine Prinz und der Rosengarten
(Der Pilot sitzt am Boden, versucht, sein Flugzeug zu reparieren. Der kleine Prinz steht vor ihm.)
Kleiner Prinz: Bitte, zeichne mir ein Schaf.
Pilot: (Blickt auf, verwirrt.) Ein Schaf? Hier? Mitten in der Sahara? Mein Flugzeug ist kaputt. Ich habe kein Wasser. Ich habe keine Zeit für Schafe.
Kleiner Prinz: Aber ich brauche ein Schaf. Auf meinem Planeten gibt es keine Schafe. Und ich brauche eines, das meine Rose frisst. Nicht ganz, nur die Dornen. Die Dornen sind gefährlich.
Pilot: (Murmelt.) Eine Rose. Dornen. Gefährlich. Was für ein Unsinn. Ich bin Ingenieur. Ich beschäftige mich mit Mechanik, mit Aerodynamik. Nicht mit Blumen und Schafen.
(Der Pilot nimmt einen Stift und ein Blatt Papier. Er zeichnet ein Schaf. Es ist ein plumpes, realistisches Schaf. Der kleine Prinz schüttelt den Kopf.)
Kleiner Prinz: Nein. Das ist kein Schaf. Das ist ein Kasten. Und es ist krank. Ich brauche ein lebendiges Schaf. Ein Schaf, das sich bewegt. Das frisst. Das lebt.
Pilot: (Genervt.) Ein lebendiges Schaf? Ich bin kein Biologe. Ich bin kein Hirte. Ich bin ein Pilot, der gestrandet ist. Und Sie, kleiner Mann, scheinen aus einer anderen Welt zu kommen. Einer Welt, in der Wünsche Befehle sind.
Kleiner Prinz: Ich komme von einem sehr kleinen Planeten. Und dort sind die Dinge anders. Dort muss man sich um die Dinge kümmern. Und ich habe eine Rose. Eine besondere Rose. Und sie braucht Schutz vor den Schafen.
(Der Pilot zeichnet widerwillig ein weiteres Schaf. Diesmal mit einem Zaun darum.)
Kleiner Prinz: Das ist noch schlimmer! Das Schaf ist eingesperrt! Es kann sich nicht bewegen. Es kann nicht fressen. Es ist nutzlos. Ich brauche ein freies Schaf. Ein Schaf, das seine eigene Entscheidung trifft.
Pilot: (Wirft den Stift weg.) Ich verstehe Sie nicht. Was soll das alles? Was ist der Sinn eines Schafes, das nicht eingesperrt ist? Wie soll es dann meine Rose fressen, wenn es einfach wegläuft?
Kleiner Prinz: (Sieht ihn ernst an.) Der Sinn ist die Freiheit. Ein Schaf, das eingesperrt ist, ist kein Schaf. Es ist ein Besitz. Ein Objekt. Und meine Rose ist kein Objekt. Sie ist ein Lebewesen. Und sie braucht ein Schaf, das sie respektiert. Nicht eines, das sie ausbeutet.
(Der Pilot starrt ihn an. Er nimmt den Stift wieder auf. Er zeichnet einen Kasten. Aber diesmal ohne Schaf. Er schreibt darunter: „Das Schaf ist drinnen.“)
Pilot: Hier. Das ist Ihr Schaf. Es ist in diesem Kasten. Es ist unsichtbar. Aber es ist da. Und es ist frei. Es kann sich bewegen. Es kann fressen. Es kann tun, was es will.
Kleiner Prinz: (Ein Lächeln huscht über sein Gesicht.) Ah. Das ist gut. Das ist sehr gut. Ein unsichtbares Schaf. Das ist das beste Schaf. Denn es ist nicht an die Regeln gebunden. Es ist nicht an die Erwartungen gebunden. Es ist einfach. Es ist frei.
(Der kleine Prinz nimmt die Zeichnung und betrachtet sie nachdenklich. Der Pilot schaut ihm zu. Eine kurze Pause. Dann wendet sich der kleine Prinz wieder dem Piloten zu.)

Komplettes Werk als Download:
Vollständige Fassung: 6.647 Wörter | ca. 30 Minuten Lesezeit | [PDF-Download verfügbar]
Dramatische Highlights
🎪 Beste politische Passage
„Auf meinem Planeten besitze ich drei Vulkane und eine Rose. Aber besitze ich sie wirklich? Oder besitzen sie mich, indem sie mich an sie ketten?“
🎭 Brechtscher Verfremdungseffekt
„Der Fuchs trat vor und sprach direkt ins Publikum: ‚Sie nennen das Zähmung? Ich nenne es Lohnarbeit!'“
💡 Zentrale These
„Was wesentlich ist, ist unsichtbar für die Börse. Aber das Unsichtbare lässt sich nicht in Aktien verwandeln, deshalb existiert es für sie nicht.“
Was dieses Theaterstück demonstriert
Diese experimentelle Adaption zeigt meine Fähigkeit, klassische Literatur mit zeitgenössischer politischer Kritik zu verbinden und durch dramatische Formen gesellschaftliche Diskurse anzuregen.
Dramatische Kernkompetenzen
- Politisches Theater: Gesellschaftskritik in dramatischer Form
- Experimentelle Adaption: Klassiker neu interpretieren und aktualisieren
- Brechtsche Techniken: Verfremdungseffekte und episches Theater
- Dramatische Dialoge: Charakterentwicklung durch politische Diskurse
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Gutes politisches Theater ist mehr als Unterhaltung – es ist gesellschaftlicher Diskurs in dramatischer Form, der Zuschauer zum Nachdenken anregt und zum Handeln inspiriert. Ich entwickle Theaterstücke, die nicht nur unterhalten, sondern auch provozieren und bilden.
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